-

Soziale Frage

Aus Digitale Schule Bayern
Wechseln zu: Navigation, Suche




Theodor Kittelsen Streik 1879.jpg

Die Fabrikarbeit stellte neue Anforderungen an die Menschen. Die Arbeiter, die unter sehr harten Bedingungen arbeiten mussten (vgl. vorheriges Kapitel), mussten in beengten Wohnverhältnissen und unter schlechtesten hygienischen Bedingungen leben, teilweise sogar in Schichten schlafen. Die Lebenserwartung eines Arbeiters lag bei 40 Jahren und blieb trotz langsamer Zunahme immer hinter der anderer Bevölkerungsgruppen zurück. Auch die Kindersterblichkeit lag in den Arbeiterelendsvierteln deutlich höher. Eine Altersversorgung gab es - wenn überhaupt - nur mittels Kinder. Durch Massenstreiks wurde der Handlungsbedarf deutlich.











Inhaltsverzeichnis

Streik als Mittel der Politik und dessen Ursachen

Aufgabe 1 (Methodik: Bildbeschreibung)

Betrachte dir das vorliegende Gemälde „Der Streik“ (1886) von Robert Koehler zunächst in allen Einzelheiten und notiere dir zunächst in Stichpunkten, was dir auffällt (Vorder-/Hintergrund, Farben, Personengruppen etc.). Verfasse im Anschluss daran eine Bildbeschreibung. Ordne hierfür das Bild in den geschichtlichen Kontext ein.

"Der Streik" von Robert Koehler.jpg

Aufgabe 2 (Methodik: Statistik auswerten)

Sieh dir die vorliegende Statistik zu den Aufständen in Deutschland an und beschreibe zunächst den Kurvenverlauf. Wann finden jeweils Umbrüche statt und wie lassen sich diese erklären?

Der Streik.jpg

Aufgabe 3 (Methodik: Karikatur beschreiben)

Ordne die vorliegende Karikatur in den entsprechenden historischen Kontext ein, nachdem du sie ausführlich beschrieben hast. Was möchte der Verfasser dieser Karikatur zum Ausdruck bringen?

Karikatur Das Verhältnis Arbeiter Unternehmer.jpg


Die Entstehung der Arbeiterbewegung

Die Reaktion des Staates

Der Staat verhielt sich zunächst als Nachtwächterstaat und unterstützte durch ein Streikverbot die Arbeitgeber. Das Streben der Sozialdemokraten nach sozialer Gleichberechtigung und internationaler Interessenorganisation der Arbeiterschaft entsprachen nicht Bismarcks Vorstellungen von Staat und von der Gesellschaft. Gründe für seine negative Einstellung gegenüber den Sozialdemokraten lagen in

  • der Opposition der Sozialdemokraten gegen den Deutsch-Französischen Krieg 1870/71.
  • der Solidarität der Sozialdemokraten mit der Pariser Kommune 1871
  • zwei Attentaten auf Kaiser Wilhelm I. von vermutlichen Sozialdemokraten
M1 Gesetz gegen die gemeingefährlichen Bestrebungen der Sozialdemokratie (Sozialistengesetze, 18.Oktober 1878)
Wir Wilhelm, von Gottes Gnaden Deutscher Kaiser, König von Preußen etc.

verordnen im Namen des Reichs, nach erfolgter Zustimmung des Bundesraths und des Reichstags, was folgt:

§. 1.
Vereine, welche durch sozialdemokratische, sozialistische und kommunistische Bestrebungen den Umsturz der bestehenden Staats- oder Gesellschaftsordnung bezwecken, sind zu verbieten.
Dasselbe gilt von Vereinen, in welchen sozialdemokratische, sozialistische oder kommunistische auf den Umsturz der bestehenden Staats- oder Gesellschaftsordnung gerichtete Bestrebungen in einer den öffentlichen Frieden, insbesondere die Eintracht der Bevölkerungsklassen gefährdenden Weise zu Tage treten.
Den Vereinen stehen gleich Verbindungen jeder Art.

(...)

§. 3.
Selbständige Kassenvereine (nicht eingeschriebene), welche nach ihren Statuten die gegenseitige Unterstützung ihrer Mitglieder bezwecken, sind im Falle des §. 1 Abs. 2 zunächst nicht zu verbieten, sondern unter eine außerordentliche staatliche Kontrole zu stellen.
Sind mehrere selbständige Vereine der vorgedachten Art zu einem Verbande vereinigt, so kann, wenn in einem derselben die im §. 1 Abs. 2 bezeichneten Bestrebungen zu Tage treten, die Ausscheidung dieses Vereins aus dem Verbande und die Kontrole über denselben angeordnet werden.
In gleicher Weise ist, wenn die bezeichneten Bestrebungen in einem Zweigvereine zu Tage treten, die Kontrole auf diesen zu beschränken.
§. 4.
Die mit der Kontrole betraute Behörde ist befugt:
1. allen Sitzungen und Versammlungen des Vereins beizuwohnen;
2. Generalversammlungen einzuberufen und zu leiten;
3. die Bücher, Schriften und Kassenbestände einzusehen, sowie Auskunft über die Verhältnisse der Vereins zu erfordern;
4. die Ausführung von Beschlüssen, welche zur Förderung der im §. 1 Abs. 2 bezeichneten Bestrebungen geeignet sind, zu untersagen;
5. mit der Wahrnehmung der Obliegenheiten des Vorstandes oder anderer leitender Organe des Vereins geeignete Personen zu betrauen;
6. die Kassen in Verwahrung und Verwaltung zu nehmen.
§. 5.
Wird durch die Generalversammlung, durch den Vorstand oder durch ein anderes leitendes Organ des Vereins den von der Kontrolbehörde innerhalb ihrer Befugnisse erlassenen Anordnungen zuwidergehandelt oder treten in dem Vereine die im §. 1 Abs. 2 bezeichneten Bestrebungen auch nach Einleitung der Kontrole zu Tage, so kann der Verein verboten werden.
§. 6.
Zuständig für das Verbot und die Anordnung der Kontrole ist die Landespolizeibehörde. Das Verbot ausländischer Vereine steht dem Reichskanzler zu.
Das Verbot ist in allen Fällen durch den Reichsanzeiger, das von der Landespolizeibehörde erlassene Verbot überdies durch das für amtliche Bekanntmachungen der Behörde bestimmte Blatt des Ortes oder des Bezirkes bekannt zu machen.
Das Verbot ist für das ganze Bundesgebiet wirksam und umfaßt alle Verzweigungen des Vereins, sowie jeden vorgeblich neuen Verein, welcher sachlich als der alte sich darstellt.
§. 7.
Auf Grund des Verbots sind die Vereinskasse, sowie alle für Zwecke des Vereins bestimmten Gegenstände durch die Behörde in Beschlag zu nehmen.
Nachdem das Verbot endgültig geworden ist, hat die von der Landespolizeibehörde zu bezeichnende Verwaltungsbehörde die Abwickelung der Geschäfte des Vereins (Liquidation) geeigneten Personen zu übertragen und zu überwachen, auch die Namen der Liquidatoren bekannt zu machen.
An die Stelle, des in den Gesetzen oder Statuten vorgesehenen Beschlusses der Generalversammlung tritt der Beschluß der Verwaltungsbehörde.
Das liquidirte Vereinsvermögen ist, unbeschadet der Rechtsansprüche Dritter und der Vereinsmitglieder, nach Maßgabe der Vereinsstatuten beziehungsweise der allgemeinen gesetzlichen Bestimmungen zu verwenden.
Der Zeitpunkt, in welchem das Verbot endgültig wird, ist als der Zeitpunkt der Auflösung oder Schließung des Vereins (der Kasse) anzusehen.
Gegen die Anordnungen der Behörde findet nur die Beschwerde an die Aufsichtsbehörden statt.

(...)

§. 9.
Versammlungen, in denen sozialdemokratische, sozialistische oder kommunistische auf den Umsturz der bestehenden Staats- oder Gesellschaftsordnung gerichtete Bestrebungen zu Tage treten, sind aufzulösen.
Versammlungen, von denen durch Thatsachen die Annahme gerechtfertigt ist, daß sie zur Förderung der im ersten Absatze bezeichneten Bestrebungen bestimmt sind, sind zu verbieten.
Den Versammlungen werden öffentliche Festlichkeiten und Aufzüge gleichgestellt.

(...)

§. 11.
Druckschriften, in welchen sozialdemokratische, sozialistische oder kommunistische auf den Umsturz der bestehenden Staats- oder Gesellschaftsordnung gerichtete Bestrebungen in einer den öffentlichen Frieden, insbesondere die Eintracht der Bevölkerungsklassen gefährdende Weise zu Tage treten, sind zu verbieten.
Bei periodischen Druckschriften kann das Verbot sich auch auf das fernere Erscheinen erstrecken, sobald auf Grund dieses Gesetzes das Verbot einer einzelnen Nummer erfolgt.

(...)

§. 16.
Das Einsammeln von Beiträgen zur Förderung von sozialdemokratischen, sozialistischen oder kommunistischen auf den Umsturz der bestehenden Staats- oder Gesellschaftsordnung gerichteten Bestrebungen, sowie die öffentliche Aufforderung zur Leistung solcher Beiträge sind polizeilich zu verbieten. Das Verbot ist öffentlich bekannt zu machen.
Die Beschwerde findet nur an die Aufsichtsbehörden statt.
§. 17.
Wer an einem verbotenen Vereine (§. 6) als Mitglied sich betheiligt, oder eine Tätigkeit im Interesse eines solchen Vereins ausübt, wird mit Geldstrafe bis zu fünfhundert Mark oder mit Gefängniß bis zu drei Monaten bestraft. Eine gleiche Strafe trifft denjenigen, welcher an einer verbotenen Versammlung (§. 9) sich betheiligt, oder welcher nach polizeilicher Auflösung einer Versammlung (§. 9) sich nicht sofort entfernt.
Gegen diejenigen, welche sich an dem Vereine oder an der Versammlung als Vorsteher, Leiter, Ordner, Agenten, Redner oder Kassirer betheiligen, oder welche zu der Versammlung auffordern, ist auf Gefängniß von Einem Monat bis zu Einem Jahre zu erkennen.
§. 18.
Wer für einen verbotenen Verein oder für eine verbotene Versammlung Räumlichkeiten hergiebt, wird mit Gefängniß von Einem Monat bis zu Einem Jahre bestraft.
§. 19.
Wer eine verbotene Druckschrift (§§. 11, 12), oder wer eine von der vorläufigen Beschlagnahme betroffene Druckschrift (§. 15) verbreitet, fortsetzt oder wieder abdruckt, wird mit Geldstrafe bis zu eintausend Mark oder mit Gefängniß bis zu sechs Monaten bestraft.

Gesetz gegen die gemeingefährlichen Bestrebungen der Sozialdemokratie. Vom 21. Oktober 1878.

M2 Rückblick August Bebels auf das Sozialistengesetz
„(...) Von den drei Jahren Herbst 1878 bis Herbst 1881 darf ich sagen, es waren die unangenehmsten, weil sorgenvollsten meines Lebens. Und Arbeit gab es auch im Übermaß. Vor allem galt es zunächst, wieder festen Boden unter den Füßen zu bekommen, die im ersten Sturm des Sozialistengesetzes in Deroute geratenen Massen wieder zu sammeln und ihnen das Rückgrat zu steifen. Es ist ebenfalls eine falsche Darstellung, als seien damals die Führer die Kopflosen gewesen und als hätten die Massen die Partei retten müssen. Massen und Führer sind aufeinander angewiesen, die einen können ohne die anderen nicht wirken. Wohl gab es unter den Führern (...) mehr Marodeure und Hasenfüße, als uns lieb war, doch die materielle Notlage der meisten entschuldigt vieles. Aber auch in den Massen, namentlich in den mittleren und kleinen Orten, herrschte vielfach Niedergeschlagenheit und Tatlosigkeit. Es bedurfte zahlreicher geheimer Zusammenkünfte und Versammlungen und energischer Agitation, um die mutlos gewordenen aufzurichten und zu erneuter Tätigkeit anzuspornen. Und das gelang ... Während wir so in voller Tätigkeit waren, aus den Trümmern, die das Sozialistengesetz und bis dahin geschaffen hatte, zu retten, was zu retten möglich war, wurden wir am 29. November mit der Nachricht überrascht, dass am Abend zuvor der Reichsanzeiger eine Proklamation des Ministeriums veröffentlichte, wonach der kleine Belagerungszustand über Berlin verhängt wurde. Dieser Hiobspost folgte am nächsten Tage die Mitteilung, dass 67 unserer bekanntesten Parteigenossen (...) ausgeiwesen worden seien. Enige mussten binnen 24 Stunden die Stadt (Anmerkung des Autors: Berlin) verlassen, die meisten anderen binnen 48 Stunden, einigen wenigen räumte man eine Frist von drei Tagen ein. Die Nachricht von der Verkündigung des kleinen Belagerungszustandes über Berlin rief eine gewaltige Aufregung in Berlin und außerhalb hervor. Niemand konnte sich die Gründe einer solchen Gewaltmaßregel erklären, selbst die bürgerlichen Blätter bis weit nach rechts äußerten Bedenken (...)“

August Bebel, Aus meinem Leben, herausgegeben von Karl Kautsky, Stuttgart 1914


Aufgabe

1. Erarbeite aus beiden Quellen die Maßnahmen, mit denen man seitens des Staates gegen die Sozialdemokraten vorging!

2. Wie bewertet August Bebel das Vorgehen von staatlicher Seite?

3. Welche Auswirkungen hatten die Sozialistengesetze für die Arbeiterbewegung?



M3 Bismarck zur Begründung seiner sozialpolitischen Gesetzgebung
„Der Plan der Reform, den wir nach dem Willen des Kaisers und der verbündeten Regierungen befolgen, läßt sich ja nicht in kurzer Zeit ausführen. Er bedarf zu seiner Ausführung eines Zeitraums von Jahren. Wir hatten uns bemüht, die Lage der Arbeiter nach drei Richtungen hin zu verbessern: einmal, indem wir zu einer Zeit, wo die Arbeitsgelegenheit gering und die Löhne niedrig geworden waren, zum Schutze der vaterländischen Arbeit Maßregeln getroffen haben gegen Konkurrenten, mit anderen Worten, Schutzzölle eingeführt haben zum Schutze der inländischen Arbeit. Infolge dieser Maßregeln hat sich eine wesentliche Besserung der Löhne vollzogen und eine Verminderung der Arbeitslosigkeit. (...) Ein zweiter Plan, der im Sinne der Regierung liegt, ist die Verbesserung der Steuerverhältnisse, indem eine geschicktere Verteilung derselben gesucht wird, wodurch namentlich die drückenden Steuerexekutionen wegen kleiner Beträge, wenn nicht abgeschafft, so doch wesentlich vermindert und vielleicht einer weiteren Verminderung entgegengeführt werden. (...)

Der dritte Zweig der Reformen, die wir erstreben, liegt in der direkten Fürsorge für die Arbeiter. Die Frage von Arbeitszeit und Lohnhöhe ist durch staatliche Einwirkung, überhaupt durch Gesetze außerordentlich schwierig zu lösen, durch irgendeine Gesetzgebung, die man macht, läuft man Gefahr, in die persönliche Freiheit, seine Dienste zu verwerten, sehr erheblich und unnütz einzugreifen. Denn wenn man die milchgebende Kuh oder die eierlegende Henne mit einem Male schlachtet, so geht damit die Industrie ein, um die es sich handelt, weil sie die ihr aufzulegende Last der kurzen Arbeit für hohe Löhne nicht tragen kann. Dann leidet darunter der Arbeiter ebenso wie der Unternehmer. Das ist also die Grenze, die geboten ist, und vor der jede gesetzliche Einwirkung haltmachen muß. Ich habe darüber auch nur sporadisch lokale Klagen gehört. Der eigentliche Beschwerdepunkt des Arbeiters ist die Unsicherheit seiner Existenz. Er ist nicht sicher, daß er immer Arbeit haben wird, er ist nicht sicher, daß er immer gesund ist, und er sieht voraus, daß er einmal alt und arbeitsunfähig sein wird. Verfällt er aber der Armut auch nur durch eine längere Krankheit, so ist er darin nach seinen eigenen Kräften vollständig hilflos, und die Gesellschaft erkennt ihm gegenüber bisher eine eigentliche Verpflichtung außer der ordentlichen Armenpflege nicht an, auch wenn er noch so treu und fleißig die Zeit vorher gearbeitet hat. Die ordinäre Armenpflege läßt aber viel zu wünschen übrig. (...) Für den Arbeiter ist da immer eine Tatsache, daß der Armut und der Armenpflege in einer großen Stadt zu verfallen gleichbedeutend ist mit Elend, und diese Unsicherheit macht ihn feindlich und mißtrauisch gegen die Gesellschaft. Das ist menschlich nicht unnatürlich, und solange der Staat ihm da nicht entgegenkommt, oder solange er zu dem Entgegenkommen des Staats kein Vertrauen hat, da wird er, wo er es finden mag, immer wieder zu dem sozialistischen Wunderdoktor laufen, und ohne großes Nachdenken sich von ihm Dinge versprechen lassen, die nicht gehalten werden. Deshalb glaube ich, daß die Unfallversicherung, mit der wir vorgehen, sobald sie namentlich ihre volle Ausdehnung bekommt auf die gesamte Landwirtschaft, auf die Baugewerbe vor allem, auf alle Gewerke, wie wir das erstreben, doch mildernd auf die Besorgnis und auf die Verstimmung der arbeitenden Klassen wirken wird. Ganz heilbar ist die Krankheit nicht, aber durch die Unterdrückung äußerer Symptome derselben, durch Zwangsgesetze halten wir sie nur auf und treiben sie nach innen. Wenn man mir dagegen sagt, das ist Sozialismus, so scheue ich das gar nicht. Es fragt sich nur, wo liegt die erlaubte Grenze des Staatssozialismus? Ohne eine solche können wir überhaupt nicht wirtschaften. Jedes Armenpflegegesetz ist Sozialismus. War nicht z.B. die Stein-Hardenbergsche Gesetzgebung gloriosen Angedenkens, an deren Zweckmäßigkeit heutzutage niemand mehr zweifeln wird, staatssozialistisch? Wer den Staatssozialismus als solchen vollständig verwirft, muß auch die Stein-Hardenbergsche Gesetzgebung verwerfen, der muß überhaupt dem Staate das Recht absprechen, da, wo sich Gesetz und Recht zu einer Kette und zu einem Zwang, der unsere freie Armut hindert, verbinden, mit dem Messer des Operateurs einzuschneiden und neue und gesunde Zustände herzustellen. Ich tue aus eigenem Antriebe meine Pflicht, ich halte dies für meine Pflicht und werde dafür kämpfen, solange ich hier das Wort nehmen kann.“


Reden im Deutschen Reichstag am 15. und 20.März 1884, in: Bismarck, Gesammelte Werke, Bd. Reden, S. 319 f.


M4 SPD-Stellungnahme zur staatlichen Sozialpolitik (Auszug)
„Die Partei erklärt, daß sie nach dem bisherigen Verhalten der herrschenden Klasse weder an ihre ehrlichen Absichten noch an ihre Fähigkeiten glaube. Die angebliche Sozialreform werde nur als taktisches Mitel benutzt, um die Arbeiter von richtigen Wegen abzulenken. Wohl aber hält es der Kongreß für die Pflicht der Partei und ihrer parlamentarischen Vertreter, bei allen auf die ökonomische Lage des arbeitenden Menschen gerichteten Bestrebungen, gleichviel welchen Motiven sie entsprängen, die Interessen der Arbeiterklasse energisch wahrzunehmen; selbstverständlich ohne dabei auch nur einen Augenblick auf die Gesamtheit der sozialistischen Forderungen zu versichten.“

Aus den Beschlüssen des Kopenhagener Kongresses 1893

Aufgabe

1. Gib zunächst die Textquelle in eigenen Worten wieder und erläutere anschließend,wie Bismarck die staatlichen Reformen begründet.

2. Welche Reformen wurden durchgeführt und was hatte dies für Konsequenzen?

3. Welche Absicht verfolgt Bismarck mit seinen Reformen? Wie wird dies von Seiten der SPD aufgenommen?



Stift.gif   Aufgabe

weiterführende Aufgabe in Verbindung mit Sozialkunde:

Informiere dich über weitere wichtige Wegmarken der gesetzlichen Sozialversicherung in Deutschland.



Die Maßnahmen der Unternehmer

Einige Unternehmer ergriffen von sich aus die Initiative und schufen Unterstützungskassen für den Krankheitsfall, die Altersversorgung, Unfallversorgung und Invalidität. Innerbetriebliche Konsumvereine und Betriebswohnungen sorgten für geringere Ausgaben. Dafür forderten die Unternehmer als Gegenleistung den Gehorsam ihrer Arbeiter. Zudem trieben sie durchaus wirtschaftliche Beweggründe an, denn sie profitierten von der verbesserten Arbeitsleistung der motivierten und gesünderen Arbeitnehmer.


Die Reaktion der Kirche

Grundwissen

Daten zur sozialen Frage und zur deutschen Arbeiterbewegung

1844 Hungeraufstand schlesischer Weber

1845 Erlass einer allgmeinen Gewerbeordnung in Preußen (darin u.a. Garantie der Gewerbefreiheit, Koalitionsverbot)

1846 Adolf Kolping gründet in Elberfeld den ersten katholischen Gesellenverein

1848 Manifest der Kommunistischen Partei von Marx und Engels

1853 Begrenzung der Kinderarbeitszeit in Preußen (6 Stunden/Tag für 12-14jährige Kinder, 10 Stunden pro Tag für 14-16jährige Kinder)

1854 Verbot aller Arbeitervereine durch den Deutschen Bundestag (1868 aufgehoben)

1863 Gründung des Allgemeinen Deutschen Arbeitervereins (ADAV) durch Ferdinand Lasalle in Leipzig (Erster politischer Organisationsversuch der Arbeiterschaft in Deutschland)

1865 Zusammenschluss der Tabakarbeiter zur ersten deutschen Gewerkschaft

1869 Gründung der Sozialdemokratischen Arbeiterpartei (SAP) durch August Bebel und Wilhelm Liebknecht in Eisenach

1873 Beginn der Gründerkrise

1875 Vereinigung von ADAV und SAP in Gotha zur Sozialistischen Arbeiterpartei Deutschlands (SAD), seit 1890 SPD; Beschluss des Gothaer Programms

1878 Verbot der Kinderarbeit in Preußen

1883-1889 Sozialgesetzgebung

1891 Erfurter Programm der SPD

Grundwissensbegriffe
  • soziale Frage
  • Arbeiterbewegung
  • Sozialgesetzgebung
  • Sozialistengesetze