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Der Aufbau einer Erzählung

Aus Digitale Schule Bayern
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Die Erzähltreppe


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Wohlbekannt ist die Erzähltreppe. Manche arbeiten auch mit der Spannungsmaus, die du vielleicht aus deinem Schulbuch kennst. Allen Formen bzw. bildlichen Darstellung ist eines gemeinsam: Sie beschreiben den Aufbau einer Erzählung. Diese enthält mindestens fünf Abschnitte. Dabei unterscheiden wir folgende Abschnitte:

  • A - Die Einleitung: Die Einleitung führt in die Erzählung ein. Wichtig ist, dass du dabei folgende zentrale Fragen kurz beantwortest: Wer? Wo? Wann? Was? (gemeint ist hier der Anlass, der das nachfolgende Geschehen initiiert, d.h. einleitet)
„Mama!“, ich habe heute in der Zeitung gelesen, dass man sich bei einem Wettbewerb für Hunde anmelden kann. Man muss aber mit Herrchen kommen. „Darf ich dort hin mit Nicky?“ Mama antwortete: „Ja, aber was ist das für ein Wettbewerb?“ Ich antwortete schnell: „Ein Bellwettbewerb. Da ist doch unser Hund Nicky so spitze!“ „Von mir aus“, antwortete meine Mutter.


  • B - Der Hauptteil: Der Hauptteil entwickelt das Handlungsgeschehen. In der Regel besteht er aus mehreren Erzählschritten (hier in der Erzähltreppe die Erzählschritte I - IV), wobei der letzte Erzählschritt den Höhepunkt beinhaltet. Achte dabei darauf, dass du die einzelnen Erzählschritte in der richtigen Reihenfolge wiedergibst. Wichtig ist zudem, dass du auf den Höhepunkt zuarbeitest und eine Entwicklung beschreibst. Dies betrifft insbesondere auch die Entwicklung von Gefühlen, die du auch in die Erzähltreppe hineinschreiben kannst (vgl. Abbildung). Am Höhepunkt ist die (innere) Auseinandersetzung am höchsten. Demnach musst du also bei der Ausgestaltung darauf achten, diesen besonders gut zu erzählen. Dabei können dir viele stilistische Elemente (z. B. schildernde Elemente, wörtliche Rede) helfen.


  • C - Der Schluss: Der Schluss rundet die Erzählung ab. Er gibt Aufschluss über ein mögliches Ergebnis oder mögliche Folgen des Erlebnisses. Dabei solltest du darauf achten, dass er relativ knapp ausfällt. Denke aber dennoch daran, ihn lebendig zu gestalten.
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Übung 1 In der richtigen Reihenfolge erzählen

Wichtig ist, dass du in der logischen Reihenfolge erzählst, sonst kann dir der Leser nicht ganz folgen. Leider hat sich ein Schüler hier nicht an die richtige Reihenfolge gehalten. Bringe also nun die Sätze in die richtige Reihenfolge. Findest du heraus, welcher Begriff gesucht ist?

Tipp: Wenn du mit der Maus hinter dem Wort Lösung entlang fährst und dabei die linke Maustaste gedrückt hältst, erfährst du, welches Wort hier gesucht ist. Allerdings solltest du, bevor du die Lösung ansiehst, die Aufgabe für dich erst einmal lösen!

(H) "Kleines", sprach sie, "du musst keine Angst haben! Es wird alles wieder gut."

(A) Der Arzt stellte eine Blinddarmentzündung fest und meinte, dass ich unbedingt operiert werden müsste.

(R) Dabei ging es mir von Tag zu Tag schlechter.

(N) Ein paar Stunden später wachte ich schließlich in meinem Zimmer auf, um eine Narbe reicher!

(E) Seit einigen Tagen hatte ich starke Bauchschmerzen.

(Z) Schließlich konnte ich mich vor Schmerzen gar nicht mehr rühren, sodass mich meine Mutter ins Krankenhaus fuhr.

(L) Dann ging alles ganz schnell und ehe ich mich versah, lag ich schon auf dem OP-Tisch.

(E) Mir persönlich war das egal - so hundeelend war mir zumute! - doch meine Mutter versetzte diese Nachricht in Angst und Schrecken.

(E) Mehr habe ich dann auch schon nicht mehr mitbekommen, denn die Narkose begann schon zu wirken.

Lösung: erzaehlen

Übung 2 Der Aufbau der Erzählung

Bestimme nun in der nachfolgenden Erzählung die einzelnen Erzählschritte bzw. Aufbauelemente. Vergleiche anschließend deine Lösung mit der vorgegebenen Lösung.



Wie Lea ihre Angst überwandt

Es war an einem sonnigen Samstag im Juli. Lea besuchte zusammen mit ihren beiden Freundinnen Lisa und Sophie das Freibad.

An diesem heißen Sommertag strömten natürlich alle in die Freibäder. Darunter auch Lea mit ihren Freundinnen Lisa und Sophie. Die Liegewiese war voll und sie mussten sich etwas länger nach einem guten Platz umsehen, was jedoch gar nicht so einfach war. Lisa meinte: „Ich möchte braun werden, deswegen legen wir uns in die Sonne!“ Sophie hingegen erwiderte: „Ich möchte keinen Sonnenbrand bekommen, weshalb wir uns einen Schattenplatz suchen müssen!“ Lea äußerte sich gar nicht zu diesem Thema. Sie war schon braun und würde bestimmt nicht so schnell rot werden. Andererseits wäre bei dieser Hitze ein Schattenplatz auch nicht schlecht! Ihr war es egal, denn das Mädchen hatte ganz andere Sorgen: Lisa und Sophie waren Wasserratten.
Beide trauten sich, vom Dreier und vom Fünfer zu springen, ohne auch nur einmal kurz mit der Wimper zu zucken. Hoffentlich verlangten sie dies nicht auch von ihr! Lea traute es ihnen zu. Allein beim Gedanken daran wurde es ihr heiß und kalt. Sophie und Lisa hatten sich endlich geeinigt. Sie zogen den Schattenplatz von Sophie vor, aber nur unter der Bedingung, dass Sophie Lea ein Schokoladeneis ausgab. Als sie ihre Handtücher unter einem Baum ausbreiteten, rief Sophie: „Schaut mal! Da drüben sind doch Philipp und Hannes aus unserer Klasse!“ Lisa flüsterte: „Guckt mal, die Oberzicke Jenny ist auch da!“ „Oh nein, die hat mir gerade noch gefehlt!“, dachte Lea. Jenny würde sie bestimmt förmlich zwingen, vom Turm zu springen, nur um sie bloß zu stellen.
Nachdem sie mit ihren Handtüchern fertig waren, gingne die drei erst einmal ins Wasser. Die Freundinnen tobten, spritzten sich nass, spielten Unterwasserspiele und rutschten mit den Jungs um die Wette. Ab und zu trotteten sie erschöpft zu ihrem Platz und tranken etwas, cremten sich ein oder ruhten sich einfach nur aus. Die Oberzicke bemerkte dabei nur spitz: „Kinderkram!“ Doch da wandt Hannes ein: „Ach ja? Na dann lasst uns einen Wettbewerb abhalten. Jeder von uns muss einmal vom Fünfer springen.“ Alle willigten ein, bis auf Jenny und Lea. „Komm, du schaffst das schon. Wir zeigen es dieser Zicke!“, sprach Philipp ihr Mut zu. Das gab Lea genug Mut, um auch einzuschlagen. Jetzt hing es nur noch an Jenny, die jedoch insgeheim darauf feixte, dass Lea sich nicht trauen würde. Schließlich wusste sie, dass sie Höhenangst hatte. Wenn sich Lea also auch nicht traute, dachte Jenny, hätte sie die Wette nicht verloren. Jenny zögerte noch ein bisschen, denn sie war ja auch noch nie vom Fünfer gesprungen, sagte dann aber doch zu. „Also abgemacht“, meinte Lisa, „zuerst Sophie und ich, dann die Jungs. Anschließend Lea und zum Schluss Jenny.“ Gesagt getan. Alle sprangen problemlos, bis Lea dran war. Sie stand zitternd auf dem Turm, die glitschigen Fußabdrücke hinter ihr. Ihr lief ein eiskalter Schauer den Rücken hinunter. Sie hatte weiche Knie. „Wie soll ich das nur schaffen?“, flüsterte sie. Von unten rief Jenny: „Die traut sich ja eh nicht!“ „Und ob“, versicherte Lisa ihr. Für Lea wurde es immer brenzliger. Irgendwann musste sie springen. Große Angst kam auf. „Wenn ich nicht springe, stehe ich als totaler Feigling da!“, dachte sie und gab sich einen Ruck. Sie schloss die Augen - und sprang!
Unten angekommen machte sie im Wasser den größten Luftsprung ihres Lebens. Als nun Jenny dran war, traute sie sich natürlich nicht. Sie gab den anderen ein Eis aus und ließ sie von da an in Ruhe. Lea, Lisa, Sophie und die Jungs feierten ihren Sieg und genossen ihr großes Eis. Der hatten sie es gezeigt, da waren sich alle einig!




Alexandra Weber und Eckehart Weiß