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Lernpfad Erzählung

Aus Digitale Schule Bayern
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Wie stricke ich mir eine gute Erzählung?
Lernpfad für die 5. und 6. Jahrgangsstufe

Manche Menschen können erzählen wie die wahren Weltmeister, während andere nur noch gespannt lauschen können, so aufregend vermögen sie es, Geschichten aus alten Zeiten nachzuerzählen oder neue Geschichten zu erfinden. So ein Geschichtenerzähler kannst auch du werden, wenn du einiges bei deinen Geschichten beachtest. Dabei soll dir dieser Lernpfad helfen. Viel Spaß dabei!


Das folgende Beispiel zeigt dir eine besonders gelungene Erlebniserzählung mit schildernden Elementen. Betrachtet man den Aufbau und die Ausgestaltung der Erzählung, kann man leicht erkennen, warum diese Erzählung so gut gelungen ist. Lies dir also nun zunächst die Erzählung und anschließend die Bemerkungsbausteine am Rand durch.

Im Gewitter verirrt

Es war so dunkel, dass Ludwig seine Hand vor Augen nicht erkennen konnte. Es blitzte und donnerte und er kämpfte gegen den peitschenden Regen an. Wie ein gewaltiger Wasserfall strömte das Wasser vom Himmel herab.


Eigentlich hatte er mit seinem Freund Klaus nur ein bisschen durch den Wald streunen wollen, um ein Baumhaus zu bauen. Sie hatten sich getrennt, um Holz für dieses zu suchen. Nachdem Ludwig etwa eine halbe Stunde allein im Wald herumgestreift war, waren ganz plötzlich dunkle Wolken aufgezogen und er hatte ein gewaltiges Donnergrollen über sich gehört. Er wurde vom Gewitter überrascht. es war schließlich so schnell fürchterlich dunkel geworden, dass Ludwig vor Schreck stehen geblieben war. Er hatte Klaus völlig aus den Augen verloren und schon lange keine Ahnung mehr, wo er selbst sich befand. „Klaus! Wo bist du?“, schrie er jetzt gegen den tosenden Lärm des Regens an. Da – war da nicht ein ganz leises Rufen zu hören? „Klaus!“, brüllte Ludwig noch einmal und lauschte angestrengt in die Richtung, aus der die Antwort gekommen zu sein schien. Doch diesmal konnte er beim besten Willen nichts außer dem Regen hören. Bis auf die Haut war Ludwig nun durchweicht. Das Wasser lief ihm in Strömen übers Gesicht, sodass er kaum noch etwas sehen konnte. Seine Verzweiflung wuchs in jeder Sekunde. „Ich muss Klaus finden!“, sagte er sich und rannte einfach los. Immer der Nase lang, er sah nicht, wo er hinlief, aber er konnte ja nicht einfach stehen bleiben und warten. Er musste Klaus suchen. „Wer weiß, was alles passieren könnte!“, dachte er panisch. „Wären wir doch bloß nicht in diesen verfluchten Wald gegangen!“ Er rannte immer weiter, strauchelte über Wurzeln, rappelte sich wieder auf. Da! Ein greller Blitz zuckt über den Himmel. Plötzlich gibt es einen gewaltigen Knall. Stockenden Atems sieht Ludwig, dass eine alte Eiche nur etwa 50 Meter vor ihm Feuer gefangen hat und sofort lichterloh brennt. „Oh Gott!“ Mehr kann der Junge, der nun wie erstarrt ist, gar nicht mehr denken. Der lodernd brennende Baum schwankt. „Er wird fallen!“, ist Ludwig mit einem Mal klar und automatisch wirft er sich zu Boden und schützt seinen Kopf mit den Armen. Ohren betäubender Lärm, dann bebt der Boden unter ihm einen Moment, dann sind nur noch der Regen und das Knistern des Feuers zu hören. „Gott sei Dank, ich lebe noch!“, denkt Ludwig als erstes. Vorsicht hebt er den Kopf und blickt um sich. Der Baum lag etwa dreißig Meter neben ihm und brannte. Der Regen ließ langsam nach, anscheinend verzog sich das Gewitter, da auch das Donnern nur noch als leises Grollen zu hören war. Ludwig richtete sich auf und lief weiter, um Klaus zu suchen. Hoffentlich war ihm nichts passiert! Da sah er auf einmal eine Gestalt, die unter einem Baum kauerte. „Klaus!“, rief Ludwig glücklich. „Ludwig?“ „Ja! Gott sei Dank, da bist du ja endlich!“



Die beiden Freunde warteten zusammen unter dem Baum ab, bis der Regen aufgehört hatte. „Wir hatten großes Glück, dass uns nichts passiert ist!“, meinte Ludwig. „Vielleicht sollten wir das Baumhaus lieber in unserem Garten bauen.“, schlug Klaus vor. Patschnass und schlotternd vor Kälte machten sie sich auf den Heimweg.

Gestaltungsmittel

EINLEITUNG:

Sie beginnt mitten im Geschehen und ist daher besonders spannend. Schildernde Elemente (farbig markiert) sind bereits geschickt eingesetzt.

Hauptteil:

Rückblick im Plusquamperfekt: Erklärung, wie es zu der Situation kam, kurze Einführung der Personen

Innere Handlung


Wörtliche Rede



Deutlich beginnender Höhepunkt im szenischen Präsens




Ende des Höhepunkts = Präteritum



Schluss:

Weiterhin lebendig durch wörtliche Rede und schildernde Elemente Abrundung durch Erklärung der Folgen

Der vorliegende Text mit Erläuterung stammt von Astrid van Essenberg

aus: Astrid van Essenberg, Erzählung mit schildernden Elementen – Als Anregung für alle Formen des gestalterischen Schreibens, in: Digitale Schule Bayern - Deutsch Schreibformen für die Unterstufe.


Wie du sicher an den farbig markierten Textstellen siehst, können schildernde Elemente vielfältig gestaltet sein. Wichtig aber ist,

  • dass du Sinneseindrücke und Wahrnehmungen gut beschreibst: Was ist zu hören, sehen, riechen, schmecken und zu fühlen?
  • dass du treffende Adjektive, Verben und Vergleiche für deine Erzählung verwendest.

Daneben gilt es allerdings auch noch anderes zu berücksichtigen, wie dir die nachfolgende Liste zeigt.



Was du insgesamt für eine gelungene Erzählung beachten musst:

1. Einleitung

  • Sie soll lebendig sein (Lust machen, weiter zu lesen). Benutze also z.B. bereits hier die wörtliche Rede.
  • Sie beantwortet normalerweise die wichtigsten W-Fragen (Wer, wann, wo, was).
  • Sie enthält ein erstes Spannungsmoment (= einen Hinweis, auf eine mögliche Gefahr, ein Problem usw. – je nach Thema)
  • Es ist aber auch möglich, bereits in der Einleitung mitten ins Geschehen einzusteigen, so wie das im Beispielsaufsatz oben der Fall ist, und daran zu Beginn des Hauptteils einen kurzen Rückblick zur Beantwortung der wichtigsten W-Fragen anzuschließen (Achtung: Der Rückblick steht dann im Plusquamperfekt!).
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2. Hauptteil

  • Baue die einzelnen Handlungsschritte logisch der Reihe nach auf! Denke somit an den roten Faden in deiner Erzählung!
  • Verzögere die Spannung durch geschickt eingesetzte Schilderungen. Hier eignen sich zum Beispiel Schilderungen der Umgebung, von Personen, vom Wetter usw. Beschreibe also deine eigenen Sinneseindrücke, aber übertreibe dabei nicht! Beachte vor allem, ob die Themenstellung dir bereits erste Hinweise auf den nötigen Einbau von Schilderungen gibt (Beispiel: Fahrt im Nebel - Es ist sinnvoll, die Umgebung im Nebel zu schildern)!
  • Gestalte einen klaren Höhepunkt (Spannung, wörtliche Rede, treffende Verben und Adjektive, Ausführlichkeit, eventuell szenisches Präsens)!


3. Schluss

  • Der Schluss gibt Aufschluss über ein mögliches Ergebnis oder mögliche Folgen des Erlebnisses.
  • Auch der Schluss soll lebendig gestaltet werden.


Hast du dir die Erzählung und die Hinweise gut durchgelesen, kannst du nun zu den einzelnen Übungsseiten wechseln. Diese findest du oben in der Navigationsleiste. Viel Spaß beim Üben!


Alexandra Weber und Astrid van Essenberg