4 Beispiel mit Kommentierung

Aus Digitale Schule Bayern
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4 Beispiel mit Kommentierung

Wie aus dem Schlusskapitel 5 hervorgeht, zeigt der folgende Schüleraufsatz, wie eine Erschließung und Interpretation in Teilaspekten aussehen kann.


Erweiterte Inhaltsangabe als Vorstufe zur Erschließung und Interpretation eines narrativen Textes zu Kapitel XI aus „Peter Schlemihls wundersame Geschichte“ von Adalbert von Chamisso

Die Novelle „Peter Schlemihls wundersame Geschichte“ von Adalbert von Chamisso handelt von dem jungen Mann Peter Schlemihl, der vom Reichtum geblendet unüberlegt seinen Schatten für eine Geldbörse verkauft, die sich immer wieder mit Goldstücken füllt. Danach ist er zwar reich, aber er wird wegen der Schattenlosigkeit aus der Gesellschaft ausgeschlossen. Mithilfe von Bendel versucht er seine Schattenlosigkeit zu verstecken, was zu sozialer Isolation führt und die Liebesbeziehungen zu Fanny und Mina zum Scheitern bringt. Schließlich bietet der Graue, der Seelenkäufer, ihm an, seinen Schatten zurückzugeben, fordert aber im Gegenzug seine ganze Seele. Nach inneren Auseinandersetzungen entscheidet sich Peter Schlemihl gegen diesen Handel und löst sich von seinem Goldsack. Jetzt steht er ohne Schatten und ohne Geld da. Doch durch Zufall findet er die Siebenmeilenstiefel, die ihm ein neues Leben als Wissenschaftler ermöglichen.

Das elfte Kapitel soll nun im Folgenden auszugsweise erschlossen und gedeutet werden. (Im Abschlusskapitel der märchenhaften Novelle finden die Hauptpersonen ihr seelisches Gleichgewicht wieder. Es geht um ....)








Zentral geht es im elften Kapitel um die letzte Begegnung Peter Schlemihls mit seiner ehemaligen großen Liebe, Mina, und seinem treuen Diener Bendel. Peter Schlemihl erkrankt. Es passiert ein Unfall, als Peter Schlemihl während einer Exkursion im Nordlands Küsten ins Meer stürzt. Er kann sich aber retten und wechselt zum Aufwärmen in die heiße Wüste. Doch der schnelle Klimawechsel bekommt ihm nicht gut. Er erkrankt, irrt auf der ganzen Welt umher, erhält einen Schlag, als er zufällig einem Menschen auf die Füße tritt und fällt in Ohnmacht.

Peter Schlemihl erwacht in einem Hospital und erfährt nach und nach, dass er sich unerkannt in dem ihm gewidmeten Schlemihlium befindet, welches von Mina und Bendel geführt wird. Zufällig hört Peter Schlemihl ein Gespräch zwischen den beiden, woraus hervorgeht, dass sie mit ihrem Leben nach den Jahren der Wirrnisse zufrieden sind und hoffen, dass es ihrem ehemaligen Freund und Gönner gleichfalls gut gehe.

Peter Schlemihl beschließt danach, das Schlemihlio unerkannt zu verlassen, hinterlässt aber eine Nachricht, in der er versichert, dass es auch ihm gut gehe. Schließlich kehrt er wieder zu seinem Hund und zu seinem Leben als Wissenschaftler zurück. Das Kapitel endet mit dem Vermächtnis Peter Schlemihls an Chamisso. Peter Schlemihl stiftet seine wissenschaftlichen Publikationen und Sammlungen der Berliner Universität, übergibt seine Geschichte an Chamisso und bittet ihn, seine Werke zu veröffentlichen. Am Ende richtet er noch einen direkten Appell an den Leser und mahnt ihn, den Schatten höher zu schätzen als Geld.

Erzähltechnisch ist die gesamte Novelle ein fiktiver Briefwechsel zwischen Peter Schlemihl und Adalbert von Chamisso. Die Erzählung wird aus dem Blickwinkel des Ich- Erzählers dargestellt, was die Geschichte glaubwürdiger und lebendiger macht, da sich der Leser so leichter mit der Hauptperson identifizieren kann. Es befinden sich mehrere Einschübe zur Darstellung des inneren Wandels der Hauptpersonen mit Perspektivenwechsel im elften Kapitel. Bei dem Gespräch zwischen Mina und Bendel kann der Leser die Rolle von Mina und Bendel einnehmen. Die Botschaft Peter Schlemihls zeigt die Sichtweise von außen auf Peter Schlemihl, also wie Mina und Bendel ihre Vergangenheit sehen. Der Briefwechsel zwischen Peter Schlemihl und Adalbert von Chamisso wird beim Vermächtnis deutlich, da Peter Schlemihl Chamisso direkt anredet. Am Ende befindet sich ein auktorialer Einschub, was die Meinung oder der Rat des Autors ist, welcher sich direkt an den Leser richtet.

Die Beziehungen Peter Schlemihls zu den anderen Personen spielen im elften Kapitel eine große Rolle. Bendel war einziger treuer Freund, Vertrauter und Diener Peter Schlemihls und Mina war Peter Schlemihls große Liebe. Mina und Bendel sind aber von Peter Schlemihl getrennt, da sie das Hospital führen und Peter auf Forschungsreisen ist. Ferner trennt sie der große zeitliche Abstand zwischen Peters früherem Leben als Graf und reicher Mann und dem neuen Leben als Naturwissenschaftler. Mina und Bendel sind gut befreundet, ehren Peter Schlemihl weiterhin und halten ihn in würdiger Erinnerung. Kurzzeitig durchdringen sich die beiden Welten von Peter, Mina und Bendel, als Peter Schlemihl im Hospitium sich von seiner Erkrankung erholt. Peter verlässt seine große Welt, ihm steht die gesamte Erde als Forschungsfeld zur Verfügung, um noch einmal in die Welt zurückzukehren, die er einst als reicher Graf Peter bestimmte und wegen seiner Schattenlosigkeit in tragischen Umständen verlassen musste. Doch er verlässt die ihm vertraute kleine Welt Minas und Bendels wieder, da er erkennt, dass seine Freunde ein neues Leben gefunden haben, und er nicht das neue seelische Gleichgewicht und ihren inneren Frieden zerstören will.

Sowohl bei Peter als auch bei Mina und Bendel sind die Wunden der turbulenten Vergangenheit geheilt. Gäbe Peter sich zu erkennen, entstünden wieder die alten Konflikte, dass mit Ausnahme von Mina und Bendel die Gesellschaft Peters schattenloses Dasein nicht anerkennen würde. Peter Schlemihl lebt somit weiterhin mit seinem Hund als treuem Freund und Ersatz für die soziale Isolation. Adalbert von Chamisso ist eine neutrale Person, der Peter Schlemihl seine ganze Geschichte übergibt und seine Werke zur Veröffentlichung anvertraut.

Das elfte Kapitel wird nun in Auszügen gedeutet. Peter Schlemihl hat Glück im Unglück. „Ich trat mit dem einen Fuß auf den Felsen auf, und stürzte auf der anderen Seite in das Meer, weil mir unbemerkt der Pantoffel am anderen Fuß haften geblieben war. Die große Kälte ergriff mich.“ (Z.8 - 12). Unglücklicherweise passiert ein unerwartetes Ereignis, was dazu führt, dass Peter Schlemihl erkrankt und in Lebensgefahr steht. Doch er hat Glück und wird gerettet. „Als ich zum Bewusstsein zurückkehrte, lag ich gemächlich in einem guten Bette, das unter vielen andern Betten in einem geräumigen und schönen Saale stand.“ (Z. 31- 34) Peter Schlemihl landet in einem Hospital. Durch Zufall ist dieses das ihm gewidmete Schlemihlium. Also ist der Unfall auch für ihn positiv, da somit Peter Schlemihl ein letztes Mal Mina und Bendel sieht und sich versichern kann, dass es ihnen gut geht. Das ist eine Art Fügung, dass der Unfall zu dieser Begegnung geführt hat. Diese Fügung steht in einem Zusammenhang mit mehreren Fügungen, die Peters Leben bestimmt haben. Der Zufall gab ihm als treuen Diener Bendel, als er ein steinreicher Mann war. Er fiel in Ohnmacht, als er kurz davor war, seine Seele angesichts von Minas Unglück zu verkaufen und ihm wurden die Siebenmeilenstiefel beschert, als er sich nach langen Zweifeln entschieden hat, sich von dem Grauen, dem Seelenverkäufer zu lösen und ein Leben in Einsamkeit in Kauf zu nehmen.

Peter, Mina und Bendel haben einen neuen Sinn im Leben gefunden. „(…) wo er aus dem Überrest meines sonst nicht gesegneten Goldes dieses Hospitium, wo Unglückliche mich segneten, unter meinem Namen gestiftet hatte und er führte über dasselbe die Aufsicht.“ (Z. 72- 75) Bendel hat die Reste des Goldes von Peter Schlemihl genutzt, um ein Hospitium zu gründen. „Sie lebte hier als eine gottesfürchtige Witwe, und übte Werke der Barmherzigkeit.“ Mina hilft im Hospital, die kranken Menschen zu pflegen. Somit ereilte Peter nicht das Schicksal des gefühllosen reichen Herrn John. Peters Kapital hat schließlich doch noch einen Nutzen für die Gesellschaft gefunden und hilft dank des Einsatzes von Mina und Bendel bedürftigen Menschen. Bendel und Mina bleiben sich selbst treu und verehren Peter mit dem Hospital und werden damit dem eigentlichen Charakter Peters gerecht, der von seiner anfänglichen Verblendung abgesehen, seinen Mitmenschen nur Gutes wollte. „Ich werde Sorge tragen, daß vor meinem Tode meine Manuskripte bei der Berliner Universität niedergelegt werden.“ (Z. 167- 170) Peter Schlemihl hat erfolgreich geforscht und stiftet nun seine wertvollen Werke der Berliner Universität. Die drei Personen sind also mit ihrem neuen Leben glücklich, da sie den richtigen Weg mit dem gleichen Ziel gefunden haben. Sie arbeiten alle in sozialer Verantwortung und sind wohltätig. Denn der einzige Weg glücklich zu werden ist, Geld oder Wissen in sozialer Verantwortung anzulegen und damit etwas Gutes für andere zu tun. Insgesamt bedeutet das elfte Kapitel, dass Peter, Mina und Bendel ein neues glückliches Leben gefunden haben und deshalb die Vergangenheit hinter sich lassen können und jeder für sich in Übereinstimmung mit der eigenen Persönlichkeit in einem seelischen Gleichgewicht weiterlebt.


Meiner Meinung nach ist gemeinnützige Arbeit ein guter Weg, glücklich zu werden. Denn man hat ein gutes Gewissen, wenn man anderen Leuten hilft und etwas Gutes tut. Schließlich erwartet man auch selbst Hilfe. Diejenigen, denen geholfen wurde, sind dem Helfer dankbar und danach glücklich. Diese Glückseligkeit überträgt sich auf den Helfer, denn der Helfer ist glücklich, dass er es geschafft hat, den anderen wieder fröhlich zu stimmen.

Der Hauptgedanke der Novelle ist auch heute noch aktuell. Die Schattenlosigkeit ist ein persönlicher Mangel, der zu mangelnder Anerkennung führen kann. Migranten haben oft Mühe, die deutsche Sprache sicher zu beherrschen und haben dann Probleme, ihre Fähigkeiten richtig darzustellen. Sie müssen wie Peter Wege finden, diesen Mangel zu kompensieren, sei es durch sehr genaue Arbeit oder große Zuverlässigkeit. Schlimmer ist es aber noch, wenn Menschen Teile ihrer Identität verkaufen. Junge Menschen gehen offenkundig mit großer Begeisterung zu Castingshows. Dort verkaufen sie ihren Schatten, indem sie Teile ihrer Persönlichkeit aufgeben, um einer fragwürdigen Jury zu gefallen. Die Siebenmeilenstiefel sind das Zurückfinden zur eigenen Identität und die Kraft, das zu machen, was man wirklich will.

Laura Neuber, Klasse 9c, GMG


Gliederungspunkte

A. Peters Weg vom reichen Grafen zum Naturwissenschaftler in sozialer Verantwortung

(Vorgeschichte, die sich nicht aus dem Auszug ergibt, sondern die Gesamtkenntnis des Textes voraussetzt.)







B. Erschließung und Interpretation des ....

Beste Lösung: Kernaussage des Kapitels nennen, z. B. „Peter, sein treuer Diener Bendel und seine geliebte Mina finden ihr seelisches Gleichgewicht und Peters Vermächtnis“ I. Erschließung

1. Inhalt: Letzte Begegnung mit Bendel und Mina aus Zufall




















2. Wechsel vom Ich-Erzähler zum auktorialen Erzähler sowie Perspektivenwechsel zur Darstellung des inneren Wandels der Hauptpersonen








3. Personenkonstellation: Seelisches Gleichgewicht für Peter, Mina und Bendel

Es zeigt sich, dass Erschließung und Deutung nicht immer streng zu trennen sind. Insbesondere bei der Darstellung der Personenkonstellation, aber auch bei Vermutungen zur Ortssymbolik sind deutende Aussagen unerlässlich.









Die Deutung folgt ausgewählten Sinnabschnitten des Kapitels

II. Deutungsthesen

1. Zufall als Fügung Die erste Deutungsthese bezieht sich auf den Einleitungsteil des Kapitels, bezieht dabei vertiefend weitere Aspekte der Novelle mit ein.










2. Seelisches Gleichgewicht durch sozial und wissenschaftlich verantwortliche Tätigkeit

Die zweite Deutungsthese bezieht sich auf das zentrale Gespräch von Mina und Bendel und bezieht Peters Vermächtnis mit ein.





3. Leben in Übereinstimmung mit sich selbst. Die dritte Deutungsthese nennt eine zentrale Gesamtaussage des Kapitels, die sich sinnvoll aus den vorgenannten Deutungsthesen ergibt.


C. Erörternder Schlussgedanke: Gemeinnützige Arbeit und Seelenverkauf heute

I. Gemeinnützige Arbeit als Weg zu einem glücklichen Leben

II. Warnung vor der Aufgabe der eigenen Identität. Symbolik des Seelenverkaufs





Eckehart Weiß, Laura Neuber, Erweiterte Inhaltsangabe in der 9. Jahrgangsstufe als Vorstufe der Erschließung und Interpretation literarischer Texte, in: deutsch.digital - Aufsatzerziehung für die Mittelstufe

Quelle: [1]