Inhaltsangabe fiktionaler Texte - Erweiterte Inhaltsangabe

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Die erweiterte Inhaltsangabe in der 9. Jahrgangsstufe als Vorstufe der Erschließung und Interpretation literarischer Text


Inhaltsverzeichnis

Vorbemerkung

Die erweiterte Inhaltsangabe bereitet auf die Erschließung und Interpretation literarischer Texte vor. Sie enthält somit nicht nur die Inhaltsangabe, bestehend aus informativem Vorspann oder Basissatz plus Textzusammenfassung, sondern auch erschließende sowie interpretatorische Bestandteile. Ferner sind je nach Aufgabenstellung einfach Erörterungen zur Aussage eines literarischen Textes denkbar. Die Schwerpunkte der Erschließung, Interpretation oder literarischen Erörterung hängen von der Art der poetischen Vorlage ab. Die Fragestellungen sind niemals schematisch, sondern ergeben sich aus dem Gehalt des Textes. Um zu vermeiden, dass Aufgabenstellungen punktweise abgehakt werden, empfiehlt es sich, bereits in der 9. Jahrgangstufe die erweiterte Inhaltsangabe vom Arbeitsplan her so anzulegen wie die Erschließung und Interpretation eines literarischen Textes in der 10. Jahrgangsstufe. Ferner ist zu fordern, dass die Schüler ihre Ausführungen als geschlossenen Text formulieren.

Die erweiterte Inhaltsangabe als Vorstufe der Erschließung und Interpretation eines literarischen Textes

Bei narrativen und dramatischen Texten ist ein Arbeitsplan vorzuziehen, der Aspekte der Erschließung und Aspekte der Interpretation und Fragen der Texterörterung systematisch trennt.


Aspekte der Texterschließung

Folgende Punkte sind innerhalb der Texterschließung genau zu untersuchen. Es handelt sich lediglich um ein Untersuchungsschema, denn nicht alle Punkte sind bei einem poetischen Text gleich wichtig. Beispielsweise kann die zeitliche Strukturierung eine große Rolle spielen. Wenn die Handlung aber zeitlich unbestimmt bleibt, lässt sich dieser Bereich in ein bis zwei Sätzen abhandeln. Die schematischen Untersuchungspunkte:

  • Textinhalt - informativer Vorspann oder Basissatz plus Textzusammenfassung
  • Komposition oder Disposition bzw. Struktur der Textvorlage
  • Temporale Strukturierung – Besonderheiten der zeitlichen Gestaltung
  • Lokale Strukturierung – Orte und seine Bedeutung
  • Personenkonstellation
  • Erzählperspektiven
  • Sprachlich-stilistische Merkmale


Interpretation - Einzeldeutungen und Gesamtdeutung

Interpretatorische Aussagen ergeben sich bereits im Rahmen der Erschließung, sofern der Text eine besondere Symbolik der Orte oder Zeitgestaltung enthält. Dies gilt gleichermaßen im engeren Sinne für die Personen oder die erkannten Erzählperspektiven. Auf einer anspruchsvolleren Ebene steht die Frage, mit welchen sprachlich - stilistischen Mitteln allgemein der Text bestimmte poetische Wirkungen erzielt. Sehr häufig strukturieren wechselnde Orte oder temporale Bezüge den Text in Sinneinheiten. Die Sinneinheiten müssen demnach bedeutsam sein und fordern zu einzelnen Deutungen heraus. Aus den Einzeldeutungen ergibt sich dann die Gesamtdeutung des Textes bzw. die differenziert entwickelte Gesamtaussage.

Erörterung – literarische Erörterung

Erschließung und Deutung verlangen analytische bzw. erklärende Fähigkeiten. Der literarische Text fordert in seiner Gesamt- oder Teilaussage aber auch zur gedanklichen Auseinandersetzung heraus und damit zur literarischen Erörterung. Es gilt dann, linear oder antithetisch zu klären, wie der Leser zur Aussage oder einer Teilaussage des poetischen Textes steht.

Methode und kommentiertes Beispiel

3.1 Untersuchung des Textes

3.2 Die Inhaltsangabe

3.3 Arbeitsplan

4 Beispiel mit Kommentierung


Arbeitsplan und Gliederung

Die eigentliche Gliederung spielt für die Bewertung eine geringe Rolle. Dennoch fällt es bei diesem strukturierten Vorgehen leicht, am Ende, den Arbeitsplan in eine Gliederung umzuwandeln, die den gedanklichen Faden erkennen lässt. Es ist möglich, unter B. so etwas wie eine Gesamtdeutung zu formulieren. Die Punkte I. und II. müssen der Klarheit halber aber formal bestehen bleiben.


Gliederung

A Peters Weg vom reichen Grafen zum Naturwissenschaftler in sozialer Verantwortung

B Peter, sein treuer Diener Bendel und seine geliebte Mina finden ihr seelisches Gleichgewicht und Peters Vermächtnis

I Erschließung
1. Inhalt: Letzte Begegnung mit Bendel und Mina aus Zufall
2. Wechsel vom Ich-Erzähler zum auktorialen Erzähler sowie Perspektivenwechsel
zur Darstellung des inneren Wandels der Hauptpersonen
3. Personenkonstellation: Seelisches Gleichgewicht für Peter, Mina und Bendel
II. Deutungsthesen
1 Zufall als Fügung
2 Seelisches Gleichgewicht durch sozial und wissenschaftlich verantwortliche Tätigkeit
3 Leben in Übereinstimmung mit sich selbst

C Gemeinnützige Arbeit und Seelenverkauf heute

I Gemeinnützige Arbeit als Weg zu einem glücklichen Leben
II Warnung vor der Aufgabe der eigenen Identität



Eckehart Weiß, Laura Neuber, Erweiterte Inhaltsangabe in der 9. Jahrgangsstufe als Vorstufe der Erschließung und Interpretation literarischer Texte, in: deutsch.digital - Aufsatzerziehung für die Mittelstufe

Quelle: [1]